Sportschule Ungeheuer

Die Realität, den Mittelpunkt des Lebens kennenlernen

"Der erste Grund, warum man eine Kampfkunst ausübt, ist, dass es recht schnell einige primäre Bedürfnisse befriedigt: Selbstvertrauen, Kondition und Körperbeherrschung, größere Selbstsicherheit, wohltuende Mobilisierung aller physischen Fähigkeiten, Besserung der Gesundheit, sportliche Erfolge, Graduierungen... Diese Qualitäten sind durchaus legitim. Sie verdienen die Mühe, auch wenn sie oftmals zu gefährlichen Übertreibungen durch unüberlegtes Handeln führen.

Das Ausüben einer Kampfkunst, vorausgesetzt, dass sie lange genug gemacht wird, lehrt "besser zu leben" - allerdings unter der Prämisse, nicht einer Selbsttäuschung zu erliegen (Egokult). Mit Geduld entwickelt man sein Selbstbewusstsein. Man erlebt das Selbst. Dies ist in der Tat ein umfangreiches Programm: Ich habe aber auch von Geduld und Ausdauer gesprochen - den Grundlagen. Zu beachten ist jedoch, dass jede Kampfkunst, die diesen Namen verdient, im Zentrum ihrer Daseinsberechtigung in einer Gesellschaft, die nicht mehr kriegerisch ist, die geistige Entwicklung des Ausübenden in den Mittelpunkt setzen soll."

Neue Dimension der Kampfkunst

"Dies ist zu vergleichen mit dem Zugang zu einer anderen Wissensstufe. Es ist wie das Durchschreiten einer längst geöffneten Tür oder das Eingehen auf ein bereits ausführlich besprochenes Thema. Das ist aber nicht das, worauf ich hinaus will. Ich möchte nur betonen, dass man eine neue Dimension der Kampfkunst erreicht, wenn man auch nur den Funken einer solchen Möglichkeit akzeptiert.

Dies ist von gesellschaftlicher Seite her äußerst interessant, denn diese innere Entwicklung ist nur dann von Bedeutung, wenn sie auch auf andere abfärbt. Sonst stagniert man in einer anderen Form der Selbstliebe.

Wirklich besser leben mit sich selbst, heißt aber auch, besser mit anderen zu leben. Die Kampfkunst wird dann zu etwas ganz Unerwartetem: Sie wird zu einem humanistischen Weg... Indem man sich selbst kennen- und verstehen lernt, versteht oder entdeckt man auch seinen Nächsten. Man lernt seine eigenen Möglichkeiten und seine Grenzen kennen, seine positiven und seine negativen Seiten ohne Rückhalt bis in die Tiefen seiner Ängste und seiner Beweggründe. Man sucht nie nach Entschuldigungen und bleibt bescheiden. Das ständig vorwärts schreiten auf dem "Weg" bedeutet, dass man sich nicht mit den äußerlichen Erscheinungen zufrieden gibt.

Es bedeutet, die Wirklichkeit des Lebens zu verstehen und insbesondere zu unterscheiden, was wirklich wichtig ist, was unwichtig ist und zu einer Konfrontation führen könnte, die dumm und unkontrollierbar ist. Fortschreiten in der Beherrschung der tagtäglichen Dinge des Lebens bedeutet ebenfalls, ein tieferes Verständnis des "Weges".
Dies steckt in Wirklichkeit hinter den Budo-Techniken und deren offensichtlicher Anwendung. Das BU-DO ist ganz einfach eine Art "Schule des Lebens", mit einem Verweigern der Gewalt, also der Weg der in jeder Kampfkunst enthalten ist.

Gewalt erzeugt meist Gegengewalt

Gewalt entsteht aus Angst. Diese wiederum kommt aus der Unwissenheit, die man gegenüber der Umgebung empfindet, die einem manchmal feindlich erscheint; aber auch aus Unkenntnis der Möglichkeiten, mit denen man dieser Feindlichkeit entgegentreten kann. Durch das Üben und die Gefahr entdeckt man, was man ist und was man wirklich kann. Diese Erkenntnis verändert den Charakter, man erlernt die eigene Wertigkeit, die Sicherheit und Distanz zu allem Fremden. Begegnungen, Dialoge, Toleranz im gegenseitigen Respekt werden dann möglich.

Man muss sich vor Augen halten, daß die ursprüngliche Bedeutung des Ideogramms "Bu" (oder im Chinesischen "Wu" in "Wushu") den Sinn der Tapferkeit hat, nicht des Krieges, und daß es übersetzt werden kann durch "Stoppen der Lanze".

Dies stellt einen Akt der Selbstverteidigung und nicht des Angriffes dar. Diese Interpretation der Kampftechnik, wurde systematisch von den alten Meistern betont - und dies in allen Disziplinen und Herkunftsländern. Sie stellt das Schwert, das das Leben lässt, weit über die Schneide, die tötet. Dasbedeutet, zwei wirkliche Meister der Kampfkunst werden nie miteinander kämpfen, denn ein wahrer Meister hat jegliche Aggressivität verloren. Es sei denn, daß etwas wirklich Extentielles dieses Gleichgewicht stören würde. Aber wie kann man dies noch erklären in einer Welt, die mehr und mehr an Gewalt und an Neid krankt, in der der Konkurrenzkampf durch die selbstgefälligen Medien zu einem universellen Wert hochstilisiert wird?

Wie kann vermieden werden, daß eine Kampfkunst nicht endgültig ihre Richtung und ihre Reife verliert, die ihre "Erfinder" ihr gegeben haben?

Besser mit sich selbst leben

Budo bedeutet ?sein ganzes Leben leben" bzw. den Weg zu finden mit sich selbst zu leben. Ein wahrer Budoka ist insbesondere deshalb effizient, weil er gelernt hat, eine Konfrontation zu vermeiden, und nicht sie zu provozieren. Weil er verstanden hat, dass sich den anderen beweisen, nur um sich beweisen zu wollen ohne einen lebenswichtigen Grund, nicht notwendig ein Zugeständnis an das Ego ist, das einen vom wahren Ziel abbringt. Diese Einstellung muss jeder echte Schwarzgurt verteidigen, anwenden und demonstrieren. Dies ist die erzieherische Botschaft, und sie liegt weit über den kleinlichen Querelen der Schulen und Stile, der Überbewertung des Bunkai oder der elitären Unterrichtsmethoden. Diese Botschaft ist weit entfernt von den unaufhörlichen Auseinandersetzungen, die nur zu Trennungen führen und die nur der Selbstgefälligkeit des einen - oder anderen zur Mitgliederwerbung dienen. Diese Botschaft sollte ständig innerhalb und außerhalb der Dojo gelehrt werden bis in die letzten Winkel dieser Gesellschaft des 21. Jahrhunderts, für die sich viele Gefahren ankündigen. Sie ist sich übrigens sehr wohl der qualvollen Entwicklung bewusst, die sie äußerst zerbrechlich macht.

Aber was ist ein Schwarzgurt? Ist er inspiriert von der Möglichkeit sich nie Verteidigen zu müssen da er ja die Fähigkeit besitzt jede Konfrontaion zu vermeiden. Sie möchten informiert werden über das destruktive Potential, das durch das Ausüben der Kampfkunst erreicht werden kann, wie man es kontrollieren kann. Viele von ihnen erkennen den wahren Sinn ihres Schwarzgurtes, viele andere leider nicht. Diese Verantwortung sollen die Dan-Träger für sich und für diejenigen übernehmen, die sie tagtäglich in und außerhalb des Dojo umgeben.

Was ist Budo ? (Stilisiert)

Budo ist der im Westen allgemein anerkannte Sammelbegriff für fernöstliche Kampfkünste. Japanischen Ursprungs stand dieser Begriffs anfangs nur für die japanischen Stile, wird aber mittlerweile für auch für alle fernöstlichen Kampfkünste verwendet.

Man unterscheidet schwerpunktmäßig innere (meditative) und äußere (physische) Stile. Ebenso wettkampf- und leistungsorientierte wie selbstverteidigungsorientierte Arten. Diese unterscheiden sich dann noch einmal technisch (z.B. werfen, hebeln, treten, schlagen, Bodenkampf, Waffentechniken, Atemtechniken, Dehnübungen), kulturell (China, Japan, Korea, Vietnam etc.), ideologisch (Zen, Taoismus, Buddhismus) sowie politisch (verschiedene Weltfachverbände).

Im traditionellen Sinne spielt das körperliche Element - wenn überhaupt - nur eine untergeordnete Rolle als Hilfsmittel zur ganzheitlichen Entwicklung.
Letztendlich geht es also ähnlich wie im Yoga um eine Balance und Entwicklung aller menschlichen Anlagen (ob nun Ratio, Intuition, Körperbeherrschung, Emotionen, Kreativität usw.), insbesondere des sogenannten KI, CHI, Qi - eine bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesene Kraft auf der auch z.B. das chinesische Akupunktursystem oder das japanische Shiatsu beruht.